Zwischen Quote, globalem Kriegszustand und föderalem Versprechen

Die Serie, die sich seit Beginn der dritten Staffel auch im Namen zu Star Trek (ST) bekennt, hatte bis zuletzt arge Probleme mit der Quote: Die US-Einschaltquoten pendelten sich im Laufe der zweiten Staffel auf relativ niedrigem Niveau ein (ca. 4 Mio. Zuschauer/innen bei der Erstausstrahlung auf UPN), das bis zum Ende der dritten Staffel noch mal um ein Viertel einsackte. Die Produktion wurde nun nach einem weiteren Verlust von einer halben Millionen Zuschauer/innen schließlich eingestellt.

Geliebt und abgelehnt: Die Crew der Enterprise NX-01.
Geliebt und abgelehnt: Die Crew der Enterprise NX-01.


Die Kritik am Prequelkonzept - die Serie spielt 100 Jahre vor Kirk und Spock - wollte im Fandom bis zuletzt kein Ende nehmen. So wurde beispielsweise das überraschende Auftauchen der Borg in Regeneration wahlweise als durchschaubarer Anbiederungsversuch oder als eklatanter Kontinuitätsbruch im ST-Kosmos kommentiert. Andererseits hat die Serie inzwischen auch eine höchst engagierte Anhängerschaft weit über die USA hinaus gewonnen, die sich erstmals zum Ende der dritten Staffel in zwei Kampagnen gegen die damals schon virulenten Pläne über ein mögliches Ende der Serie erfolgreich manifestiert hatte. Ob ENT eine endgültige Etablierung im Olymp der akzeptierten Spin-Offs der Roddenberry-Saga, die auch DS9 und Voyager erst nach den ersten Staffeln vergönnt war, gelingen würde, war daher während der vierten Staffel zur Überlebensfrage geworden. Trotz der überstürzten Entscheidung der Männer an den berüchtigten längeren Hebeln, ist über die Trekability der Serie das letzte Wort noch längst nicht verloren. Unser Vorhaben, diese zunächst anhand der dritten Staffel auf den Prüfstand zu stellen, ist umso dringender geworden, als sich für das Trek-Fandom nun die Was-tun-Frage stellt.

Obwohl wir bekanntlich zum Kreis der ENT-FreundInnen zählen, haben wir die zurückliegende dritte Staffel mit sehr unterschiedlichen Gefühlen konsumiert. Noch nie liefen unsere grundsätzlichen Einschätzungen so weit auseinander, wie mit Blick auf die Xindi-Erzählung, die die Staffel prägt. Umso mehr ist es uns ein Anliegen, ausgehend von den verschiedenen Eindrücken unsere ENT-Rezeption weiterzuentwickeln. Grundlegend dafür scheint uns eine Klärung der Rolle zu sein, die ENT im ST-Kosmos spielen kann, ja spielen muss um einen überzeugenden Beitrag zur Vision Gene Roddenberrys leisten zu können. Vor diesem Hintergrund müsste es möglich werden, sowohl die Stärken als auch die Schwächen der dritten Staffel fassbar zu machen. Die Stärken - soviel sei vorweg genommen - liegen eindeutig in der popkulturellen Reflexion des globalen Kriegszustandes, in dem sich die Bewohner/innen des dritten Planeten des Solarsystems nach dem 11. September 2001 wieder gefunden haben.